Das war 2011

01. Januar 2012

Einiges Bildmaterial ist übers Jahr liegen geblieben. Ein paar Bilder eignen sich um das Jahr noch einmal in Erinnung zu rufen und finden sich deshalb unsortiert und ohne logische Reihung in der Galerie drunter. Der venari-blog geht damit ins fünfte Jahr seines Bestehens… :)

24. Dezember 2011

Von Haupt- und Beihasen…

10. Dezember 2011

Auf dem weiten Heimweg hatte ich den Sumpf der Großstadt schon beinah hinter mir gelassen, als aus dem Autoradio der Staatsfunk-Wetterbericht tönte. Das ´dumme Volk´ wollte mittels ´Wetterwarnung´ vorm drohenden Sturm bewahrt werden. Idioten - dachte ich mir, schüttelte die vermessene Überheblichkeit der kaum noch zu errettenden Stadt ab und sann dem Wochenende entgegen.

Jetzt, kaum 24 Stunden später fuhr mir das angekündigte Wetterereignis als kalter Wind durchs gefrorene Gesicht, ließ die Lippen spröde werden aber zauberte ein zufriedenes Lächeln auf selbige. Der Herr Onkel hatte sein ´Ja´ gegeben und so saßen Hugin und ich in seinem Kessel-Revier bei Mondlicht draussen. Der wenige Schnee hatte sich tagsüber hier, auf der Schattseite, vollständig gehalten und die weiten Wiesenflächen ließen reiche Beute erhoffen.

Hugin und ich hatten uns aufgeteilt und so harrten wir wohl mehrere Stunden ohne dass sich irgendetwas regte. Einzig der Mond kroch stetig über den klaren Dezemberhimmel und ließ den Hochstand lange Schatten werfen. Die Umgebung war hell erleuchtet und man hätte mit freiem Auge wohl jede Bewegung erkannt, hätten da nicht die vielen Grasnarben aus dem Schnee hervorgestanden. Und so dauerte es auch eine Weile, bis ich bemerkte, dass die beiden neuen Grasbüschel - rechts neben mir - doch nicht völlig stoisch dalagen…

Von dem Augeblick an lief alles völlig automatisiert; Langsam hob ich - den nach vorne gerichteten - Repetierer an, schob ihn aus dem seitlichem Fenster, entsicherte mit der rechten Hand schon während dieser Bewegung. Das Glas sog sich ans Auge und der kleine Leuchtpunkt schob sich über die ziehenden Hasen. Vorne weg war der ´Haupthase´, er war etwas größer und seinem Tempo hatte sich sein Kumpan zu unterwerfen. Er war auch der erste der einhielt - und deshalb zum Ziel wurde. Die 6,5 war doch recht grob für die kleinen Hasen dachte ich mir und weil der Mümmelmann sich gerade etwas streckte fuhr ich mit dem Zielfernrohr in seinen Kragen. Auf die paar Meter konnte ich nicht fehlen, das war undenkbar. Die Hasen waren unruhig, kaum Zeit, endlich den Finger am Züngel - der Schuss bricht; Mündungsblitz, Donnerschlag.

Unmöglich! Da stoben beide Hasen auseinander, der ´Beihase´ langasamer, der Beschossene wie von Sinnen! Unmöglich! hämmert es in mir - Repetieren! Der eiskalte Stahl kracht, die Hülse fliegt durch den Nachthimmel - Orientieren! Der Schaft fährt gegen die Wange, der Beihase ist endlich erfasst. Schnell folgt er seinem Kameraden, immer weiter, immer schneller. Der kleine Leuchtpunkt hat ihn schon an den Sprüngen, wandert vorwärts, durchs Leben, überholt ihn. Dann endlich ist er vorne, der Hase hält Spur, die Büchse schwingt mit.

Der Schuss peitsch in die Nacht, noch heller blitzt es - repetieren - Pulverdampf im Hochsitz. Schnell verbläst der Wind den wohligen Geruch, nichts regt sich. Die Gedanken schwirren, Schusszeichen? Eine Bewegung bergwärts?
Ich halte Nachschau. Den ersten hab ich überschossen, nicht viel, aber doch. Ich folge den Spuren, im Schnee finde ich rasch den zweiten Schuss. Er hat ordentlich Erdreich über die weiße Decke gelegt, von Schweiß keine Spur. Der Schuss hätte wohl gepasst, nur hat der Hase im letzen Moment einen rettenden Haken geschlagen.

Ich kauere an dem kleinen Viehsteig im Gelände, blicke in den weißen Kessel und weiß nicht recht wohin mit dem Erlebten. Sei froh dass du da sein kannst, sei froh dass du hier sitzen kannst, denk ich und antworte Hugin auf die Frage ´Strecke?´